Bibelstudium
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Das Auftreten des Täufers

I. Der Wüstenprediger

II. Nahrung und Kleidung des Johannes

I. Der Wüstenprediger

Nach den Darstellungen der Evangelien trat Johannes in der Wüste auf – dies dürfte auf historischen Gegebenheiten beruhen. Zu der endzeitlichen Botschaft des Johannes passt jedenfalls die Wüste als Aufenthaltsort, denn die Wüste galt als Ort des endzeitlichen Neubeginns.

  • Es sind auch anderweitig Nachrichten aus dem 1. Jh. n.Chr. überliefert, nach denen endzeitliche Propheten Menschen in die Wüste geführt haben, um dort die Wiederholung der Wunder aus der Zeit der Wüstenwanderung Israels zu erleben. Diese Vorstellung verstand jene Zeit der Wüstenwanderung nach dem Exodus als ideale Zeit, in der Gott unmittelbar bei seinem Volk war und sich ihm offenbarte. Dieser Zustand wird für die Endzeit wieder erwartet.

Welche Vorstellungen Johannes genau aufgegriffen hat, lässt sich freilich nicht mehr ausmachen. Wir wissen nichts davon, dass die Erwartung von Wundern für ihn eine Rolle gespielt hätte. Angesichts der reinen Gerichtspredigt ist dies auch eher unwahrscheinlich. Man kann kaum mehr sagen als dies: Johannes steht in einer Tradition, die die Wüste als endzeitlichen Ort kennt. Insofern kann er durch seinen Wüstenaufenthalt die endzeitliche Bedeutsamkeit seiner Botschaft unterstreichen.nach oben

II. Nahrung und Kleidung des Johanne

In Übereinstimmung mit dem Bild von Johannes als Wüstenbewohner wird seine Lebensweise geschildert. Er ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig und trägt als Kleidung ein Gewand aus Kamelhaaren sowie einen ledernen Gürtel (Mk 1,6).

Die Auslegung der Notizen ist umstritten. Häufig wird angenommen, die Kleidung aus Kamelhaaren weise Johannes als Propheten aus. Dies setzt aber eine Tradition voraus, die sich nicht überzeugend nachweisen lässt: der härene Mantel als Prophetentracht. Dass Johannes einen  ledernen Gürtel um die Hüften getragen habe, erinnert zwar an eine Formulierung auf, mit der in 2Kön 1,8LXX der Prophet Elija beschrieben wird. Als Anspielung auf das Selbstverständnis des Johannes als wiedergekommener Elija (s. Mal 3,23) lässt sich dies aber nicht ohne Weiteres auswerten. Denn die Beschreibung der Kleidung des Täufers im Ganzen lässt keine Orientierung am Vorbild Elijas erkennen.

Die Notizen über die Kleidung sind nicht anders als die über die Nahrung im Zusammenhang des Aufenthaltes in der Wüste zu sehen: Es handelt sich um die normale Kleidung und Nahrung von Wüstenbewohnern, und das bedeutet: Im Rahmen der beschriebenen Wüstentypologie sollen sie den endzeitlichen Charakter der Botschaft des Johannes unterstreichen (Ph. Vielhauer).

Faktisch ist seine Lebensweise damit zwar asketisch; ob darauf aber der für Johannes entscheidende Ton liegt, ist nach dem Gesagten eher zu bezweifeln.

► Zum Verhältnis Jesus – Johannes der Täufer s. hier


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